Petra: Eine Stadt aus Fels gemeißelt

Menschen und Esel, die sie tragen, mühen sich den Bergpfad hinauf. Ein uns entgegenkommender Beduine wirbelt mit dem Saum seines langen schwarzen Mantels Staub auf. Aus seiner Tasche dröhnt der Titelsong der Titanic „My heart will go on“. Ein Windhauch, ein wenig Wüstensand und ein Funke Verwirrung umspülen unsere Gesichter.

Petra zählte zu den schönsten Städten in der Antike. Der Weg zu ihr führt entlang einer kilometerlangen Felsspalte, dessen mächtige Wände bis zu 100 Meter in den Himmel ragen. Den Kopf im Nacken betrachte ich Felsformationen, die Naturgewalten und tektonische Kräfte abbilden. Maserungen in rot-braunen Schattierungen treten eindrucksvoll an die Oberfläche. Die Sonnenstrahlen reichen zumeist nur bis zum oberen Wandteil und Licht dringt nur spärlich in die Tiefe der Schlucht. Am Fuße der Felswand sitzen im Schatten einer Ausspülung Beduinen, einer zupft die Melodie traditioneller Musik auf seiner Rebab und bringt etwas Nostalgie an diesen legendären Ort.

Entlang der Felswand deuten Einkerbung auf die Reste eines Aquädukts, das Teil eines komplexen, effizienten und ausgeklügelten Wassersystems war, und die Wüstenstadt vor rund 2,000 Jahren in eine künstliche Oase verwandelte. Die Präzision der damaligen Wasserbauer beeindruckt Experten und Archäologen noch heute. Auch Pflastersteine sind an manchen Stellen noch im Original vorhanden. Wo einst Kamelkarawanen mit ihren kostbaren Handelswaren aus Arabien kommend nach Europa zogen, und der Stadt zu Reichtum verhalf, rattern heute Pferdekutschen mit Touristen der Ruinenstätte und dem rätselhaften Erbe der Nabatäer entgegen.

Von einem überdimensionalen Steinrelief einer Kamelkarawane, das den einst florierenden Handel in Petra symbolisiert, sind nur noch Fragmente erkennbar. Eine treffende bildhafte Darstellung für die Vergänglichkeit von Reichtum und Wohlstand, wenn man bedenkt, dass die einstige Hauptstadt der Nabatäer nach ihrer Blüte und dem anschließenden Niedergang rund tausend Jahre verlassen und vergessen vor sich dahinbröckelte.

Das Schatzhaus

Der schlangenförmigen Wegführung folgend, bin ich nicht nur mit dem schluchtigen Ambiente beschäftigt, sondern auch damit, den vorbeirauschenden Pferdekutschen Platz zu machen, sodass mir der Bruchteil einer Fassade im senkrechten Lichtstrahl am Ende der Schlucht erst auf den zweiten Blick ins Auge fällt. Beinahe plötzlich stehe ich vor dem Khazne al-Firaun, dem Schatzhaus, dieser monumentalen Meisterleistung mit ihrer dramatischen Wirkung, der Kulisse von Indian Jones und zahlreichen anderen Filmen. Obwohl vielfach gesehen, ist das Werk von 38 Metern Höhe, seinen Ornamenten schier beeindruckend und zwar umso mehr, seit das Geheimnis über das Entstehen dieses architekturalen Kunstwerks gelüftet ist, wonach die Fassade nicht von unten nach oben, sondern von oben stufenweise nach unten aus dem Fels gearbeitet wurde. Hinter der Fassade verbergen sich Grabstätten, ein Mausoleum und eine Krypta. Spuren von Weihrauch deuten auf eine Opfergabe und damit auf einen Ort großer Verehrung.

Der Platz vor der einstigen Kultstätte ist heute Verkehrsknotenpunkt. Für  Pferdekutschen ist hier Endstation, und auf die Touristen warten gesattelte Esel und Kamele.

Vorbei am Schatzhaus entfaltet sich die Ruinenstadt Petra in einem Talkessel, wo es noch unzählige, in die Berghänge geschnittene, Grabstätten gibt, sowie Reste eines Tempels, eines Theaters, einer Säulenstraße und einer Kirche, die von römischen und byzantinischen Einflüssen zeugen.

Am Ende des Tales führt ein Bergpfad mit 800 Stufen zu einem weiteren monumentalen Felsgrab, dem sogenannten Kloster, nachdem sich im Mittelalter Mönche darin niederließen. Der Weg ist an vielen Stellen steil und schmal. Esel werden mit den Lasten menschlicher Körpermassen, die Felsstufen hochgetrieben, und rütteln an meinem Mitgefühl. Auch absteigende Tiere lassen den Wanderer erschaudern, insbesondere dann, wenn Jungs sie mit lautstarken Kommandos im Trab die Steinstufen talwärts treiben, wo die nächsten Touristen auf ihren Aufstieg warten.

Am Kloster angekommen, empfiehlt sich, in der Raststation bei einer Tasse Tee oder Kaffee, den Blick auf die 48 Meter hohe Fassade zu genießen.  

Noch ein Stück weiter, am nahegelegenen Aussichtspunkt des Klosters, fallen die Felswände steil ab und man blickt von schwindelerregender Höhe weit ins ferne Tal in Richtung Totes Meer. Hier erschließt sich dem Besucher die einst strategisch günstige Lage der Stadt für den Umschlag wertvoller Handelswaren, und zwar versteckt und geschützt zwischen den schroffen Felswänden.

 

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

6 Kommentare zu „Petra: Eine Stadt aus Fels gemeißelt“

  1. Liebe Regina,

    ein neuer wunderbarer Beitrag. Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob alles in Ordnung ist bei Dir, weil so lange nichts kam ;-), aber es scheint dir gut zu gehen und das freut mich !

    herzliche Grüße aus Wasserburg

    von

    Claudia Fischer

    Dipl. Sozialpädagogin (FH)

    Geschäftsführung

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    SCHULE UND BERUF GMBH

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