Quarantainment #3

Vom herabschauenden Hund zur kleinen Kobra, vom Vibrato zum Shimmy. 

Dritte Zwischenzeit: 28 Tage Homeoffice, 23 Tage Ausgangssperre.

Mein Quarantainment ist um einige Facetten reicher geworden. Um den Bewegungsmangel auszugleichen, habe ich nun ein kleines Sportprogramm in den Alltag eingeflochten und beginne den Morgen mit dem Sonnengruß. Dabei handelt es sich um aneinandergereihte Yogaübungen, und sind aufgrund ihrer Namen „herabschauender Hund“ und „kleine Kobra“ verlockend. Einige Dehnungsübungen davor und danach ergänzen das Morgenprogramm. Mein Körper dankt es mir und folgt locker dem umtriebigen Geist vom Teppich ins Homeoffice, wo ich zunächst den Kaffee zubereite.

Eine weitere wesentliche Komponente, um mich fit zu halten, ist, mein täglicher Ausflug ums Gemüse. Der Einkauf ist nicht nur zur Routine geworden, sondern einer meiner Höhepunkte im „Corona-Life“, denn jeder Schritt vor die Tür, umspült mein Sein mit Wohlgefühl, Freude und einem Hauch Freiheit.

Heute morgen postete ich das 27. Foto unter dem Motto #picforlight als meinen kleinen Beitrag zum Quarantainment. Zunächst hatte ich die Idee, zwei Wochen täglich ein Foto mit fröhlichen Menschen von meinen diversen Auslandseinsätzen zu teilen, um ein wenig Farbe, Freude und Licht in den eingeschränkten Alltag zu bringen. Inzwischen sind vier Wochen vergangen und mein Repertoire ist erschöpft. Daher werde ich demnächst Fotos von der Street Art Kunst in Amman und, als Vorfreude auf das hoffentlich nahende Ende der Ausgangssperre, Landschaftsaufnahmen von Wadi Rum mit euch teilen.

Ebenso fixer Bestandteil meines Tagesablaufes ist das Gesangstraining. Regelmäßig und motiviert arbeite ich die Lektionen durch. Mein Übungsprogramm ist derweil um jazzige Rhythmen zu Saxophonklängen erweitert. Dank eines ansprechenden Videos auf Youtube, arbeite ich nun auch am Vibrato meiner Stimme, zu dem gefühlt auch die Wände im Gleichklang schwingen. Wenn es in hohen Lagen gelegentlich zur Schädeldröhnung kommt, ist dies ein Zeichen dafür, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde, sagt der Coach. Danke lieber Nachbar, dass es dich nicht gibt, sage ich mir.

Für ein bisschen orientalischen Tanz ist auch noch Zeit. Somit schwingt zur Stimme nun auch die Hüfte. Ja, nach einigen harten Lektionen nimmt der Shimmy deutlich Form an und Schwung auf. Das ist jene Bewegung, die Mann und Frau bei Bauchtänzerinnen fassungslos fixieren, zumal das Zittern weiblicher Rundungen nicht nur beeindruckt, sondern durchaus Fragen zur Anatomie des Menschen aufwirft. Es ist eine sehr sportliche Angelegenheit, fördert die Muskulatur und man kommt dabei ordentlich ins Schwitzen.

Ein Erfolg der dem Quarantainment entsprang, ist das rollende R, mit dem ich seit meiner Schulzeit hadere. Bereits im Jugendalter blickte ich auf die flatternde Zunge meiner Sitznachbarin, die ich nicht ansatzweise nachahmen konnte. Bei meinem Spanisch-Sprachkurs scheiterte ich bereits im Ansatz aufgrund des nicht vorhandenen rollenden R’s, und blieb damit auf der Strecke. Kürzlich erinnere ich mich an diese Baustelle, will es wissen, google nach dem rollenden R, finde ein Video dazu und übe täglich morgens, abends, im Bett – es wurden teilweise sehr merkwürdige Laute frei. Und plötzlich waren Ansätze spürbar, ich blieb dran, übte weiter und es ist da. Was für ein Gefühl! Ich vergleiche es ein wenig damit, wenn man beim Windsurfen erstmals über die Wellen „gleitet“. Es ist eine Mischung aus Überraschung, Freude und Triumpf. Mein R rollt jetzt auch!

Es bleibt spannend zu sehen, welche Fähigkeiten und Eigenarten mir die Quarantäne noch so beschert. Ist ja schön, wenn der Mensch sich in Zeiten wie diesen mit sich selbst beschäftigt und sich neu entdeckt, trotzdem, ich hoffe auf ein baldiges Ende der Ausgangssperre und freue mich darauf, an Wochenenden wieder frei durchs Land zu reisen.

In diesem Sinne, wünsche ich wie immer allen Leserinnen und Lesern: G’sund bleiben und durchhalten!

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

2 Kommentare zu „Quarantainment #3“

  1. liebe regina,

    wenn ich lesen, was du in deiner quarantäne alles machst, bin ich doch recht beeindruckt. du bist ja genauso aktiv, wie zu anderen zeiten. aber es scheint dir dabei ganz gut zu gehen.

    ich gehe es wesentlich gemütlicher an, wie du meinem blog entnehmen kannst.

    https://frauenleben.eu/blog.html

    ich hoffe, dass du weiter so gut durch die isolation kommst und grüße dich ganz herzlich

    alles liebe uschi

    Uschi Christl frauenleben.eu

    >

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