Hamam in Amman

Ein Erlebnis. Ein Original.

Der verregnete Tag lädt in den Hamam, der heute für Damen reserviert ist. Der Weg zu Al-Pasha’s Türkischem Bad führt in ein orientalisch stilvoll eingerichtetes Lokal. Es ist 10:00 Uhr morgens und ich bin der erste Gast. Eine Frau taucht aus dem Nichts hervor,  in den Händen ein großes Silbertablett mit einem Berg Reis und Lammfleisch. Ihrer Geste deutend, folge ich ihr durch das Lokal. Eine kleine Tür führt ins Nebenan, dort warten einige Frauen und Kinder bereits aufs Essen. Gegenüber dem Quasi-Wohnzimmer befindet sich die Garderobe.

Seda begleitet mich in den Hamam und weist mir den Weg zur Dusche. Danach drückt sie mir einen Becher mit roter Flüssigkeit in die Hand, führt mich über drei Stufen ins Dampfbad und läßt mich im dichten Nebel zurück. Ich klammere mich an meinen Becher, nippe am Strohhalm und schmecke Tee. Er mundet. Der Raum ist klein, der Dampf dicht und zu sehen gibt es nichts. Gar nichts. Es ist heiß, und der Körper transpiriert, wie ich es von ihm erwarte. Die Reinigung der Atemwege vollzieht sich spürbar. Nach kurzer Zeit taste ich mich an der Plastikplane, die die Dampfkammer verschließt, vorbei, und zurück in den Hauptbereich, wo ich, dem Ablauf folgend, nach einer kurzen Spülung in den Jacuzzi eintauche.

Vom Wasser umsprudelt, betrachte ich meine Umgebung und die Kuppel mit ihren bunten runden Lichtern über mir. Das Gewölbe wird von schweren Säulen getragen. Rundherum sind kleine Nischen mit Wasserbecken und Steintischen, auf denen Behandlungen stattfinden. Lampen hängen an Ketten von der Decke und an ihnen filigrane Metallschirme, die wunderbare Schatten auf die beigen Wände zaubern. Mosaikbordüren in erdigen Farben ziehen sich durch das Bad. Die Atmosphäre ist angenehm und birgt einen Hauch Mystik im schummrigen Licht.

Eine junge zierliche Frau in kurzer Jeans und einem Top winkt mich zu ihr auf den Steintisch. Das Programm geht weiter. Einen rauen Handschuh übergezogen, beginnt sie mit sportlichem Enthusiasmus und Einsatz ihres Körpergewichtes meine Haut zu schrubben. Was an der Fußsohle noch angenehm ist, strapaziert an anderen Stellen die Schmerzgrenze. Das Bein wird gewinkelt und gedreht, der Vorgang scheint automatisiert, die Scham wird schamlos gestreift, auch der Bauch bis zur Rötung gebürstet und meine Brüste behandelt, als wären sie die ihren. Auch die Ohren werden nicht ausgespart. Es wird gerubbelt und jegliche Unebenheit geglättet, Warzen eventuell entfernt. Wellness ist hierfür ein unpassender Begriff.  An manchen Stellen brennt die Haut, sodass ich den Wechsel vom rauen Handschuh zur sanften Quaste nicht sofort bemerke. Der nächste Akt vollzieht sich und nun werde ich üppig mit Olivenölseife eingeseift und in Schaumkronen getränkt. Das Glück ist von kurzer Dauer, denn nun heißt es aufsetzen und Augen zu, und schon reibt mir die Seifenquaste kreuz und quer über das Gesicht. Die Überraschung entlockt mir ein Lachen und gerade mal den Mund geschlossen, wird mir eine Schüssel Wasser ins Gesicht geschüttet, womit der Spülvorgang eingeleitet ist. Nach einigen Ergüssen und noch etwas perplex sehe ich sie an. „Did you like it?“ fragt sie beinahe schüchtern, und reicht mich weiter in die Hände von Susan.

Ich wechsle den Steintisch und komme in den Genuss einer Massage, wofür Olivenölseife in Wasser aufgelöst wird. Verspannte Rücken- und Nackenmuskulatur wird gelockert und Blockaden gelöst. Sehr angenehm und viel zu kurz. Anschließend werde ich in die Sauna geleitet, wo ich nochmals hinter einer Schiebetür entspanne und schwitze. Ein schöner Abschluss.

Inzwischen sind zwei Stunden vergangen, und ja, ich fühle mich sehr sauber, und ja, es war ein außergewöhnliches Erlebnis. Ende gut, alles gut.

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

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