Fotostrecke: Mit dem Hundeschlitten ins neue Jahr

Ein himmlisches polares Spektakel in der Silvesternacht, Hundeheulen mit talfüllender Resonanz und tropfende Eiszapfen zum Neujahr in Lappland. Ungewöhnlich genial.

Zum Jahreswechsel sind die Tage in Lappland kurz und der Sonnenaufgang geht ohne lange zu zögern in den Sonnenuntergang über. Umso fantastischer ist das Licht, wenn die Sonne am Horizont zwischen den Wolken hervorblinzelt. Lappland präsentiert sich bei unserer Ankunft märchenhaft. Die Äste der Fichten und Kiefern tragen üppig Schnee, ein weißer Teppich bedeckt die Hügel und Schneekristalle glitzern übergriffig in der Dämmerung und unter dem Schein der Taschenlampe. Den Schnee, den ich zu Weihnachten auch heuer zuhause vermisste, finde ich hier.

 

Hundeschlittenfahrt

Am Vormittag werden die Hunde vor die Schlitten gespannt. Ihre Vorfreude ist groß, die Aufregung grenzenlos. Die Türen zu den Zwingern werden geöffnet, und die Hunde stürzen in die Freilaufzone. Hier geht es vorerst einmal ab. Im Rudel drehen sie ihre Runden, springen in maximalen Weiten und Höhen nach allen Himmelsrichtungen, beschnuppern sich gegenseitig und markieren an Ecken und Enden. Auch wir Anwesende sind sofort im Geschehen integriert, Pfoten verbinden sich mit unseren Schultern, Hände, Gesichter und Ohren werden geleckt und Streicheleinheiten eingefordert. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich, das Vertrauen rasch hergestellt.

Ist der erste Dampf abgelassen, bekommen die Hunde ihre Zuggeschirre angelegt und werden in Vierergruppen vor die Schlitten gespannt. Drei Schlitten stehen für die sibirischen Huskys bereit. In einem angrenzenden Gehege befinden sich noch Alaska Hunde, auch mit ihnen werden zwei Schlitten vorbereitet.

 

Die Ausfahrt rückt näher, die Aufregung spitzt sich zu. Eine Komposition aus kollektivem Heulen, Winseln und Jammern erreicht eine ekstatische Dimension und füllt die Talmulde bis in den letzten Winkel. Jeder menschliche Zuruf erweist sich als zwecklos, abgestimmte Kommandos koordinieren den weiteren Ablauf. Das Tor wird geöffnet, die Hunde springen ungebändigt ins Zugseil und wollen nur eines: endlich loslaufen. Erfasst von der pulsierenden Dynamik befreie ich den Schlitten von seiner Verankerung, klammere mich an dessen Holzrahmen, löse bedacht die Bremse und wir schlittern durchs Tor den Hausberg hinauf.

 

Ist der Schlitten in Fahrt und die Hunde am Laufen, entspannt sich die Situation schlagartig. Ich balanciere auf den Kufen und kontrolliere über die Bremse die Spannung der Leinen und halte damit Kontakt zu den Hunden. Die Landschaft ist fantastisch, eine friedvolle Stille ergreift die Weite. Die Fahrt führt am ersten Tag entlang verschneiter Wälder und am nächsten Tag der Sonne entgegen. Die Routen sind abwechslungsreich, es geht leicht rauf und runter, über schneebedeckte Moore, kleine Brücken und zugefrorene Teiche. Der in orange-getränkte Horizont ist beeindruckend und herzerwärmend.

Tauwetter in Lappland

Kurz vor dem Jahreswechsel und unüblich für diese Jahreszeit schwenkt das Thermometer auf Plusgrade und hat zur Folge, dass die Eiszapfen von unserer Hütte tropfen, die schneebedeckten Nadelbäume ihren weißen Glanz verlieren und die Pisten erweichen. Für die geplante Tour über den See ist zu viel Wasser auf dem Eis, sodass wir eine Schneeschuhwanderung unternehmen. Durch einen Wald steigen wir den Hang hinauf, Sonnenstrahlen blinzeln hier und dort zwischen den Bäume hervor und halten die Lebensgeister bei Laune. Windböen erwarten uns auf dem Plateau und sorgen für rote Wangen.

Bei Sonnenuntergang machen wir ein Feuer, kochen Kaffee und Grillen Hamburger und Halloumi Käse. Und dann dieses einzigartige Naturschauspiel am Himmel.

 

Phänomenale Wolkenstimmung

Bereits am Vortag stürmten wir morgens während des Frühstücks aus der Hütte, um ein Phänomen, namens polare Stratosphärenwolken (PSC) zu beobachten. Wolken, die in Pastellfarben leuchteten, zogen uns in ihren Bann. Heute jedoch wird dieses Ereignis in seiner Intensität erneut übertroffen. Dem Sonnenuntergang folgt ein Naturspektakel, wie es in der arktischen Stratosphäre nur sehr selten vorkommt. Wie ovale Linsen hängen die Wolken am Himmel, wechseln ihre Farben von gelb, rosa, rot und blau und verschmelzen zu einem immer größer werdenden Gebilde. Von der Feuerstelle bestaunen wir fasziniert dieses unglaubliche Ereignis, das sich vor uns opulent entfaltet.

 

Wenn sich das alte Jahr mit einem solchen Naturschauspiel verabschiedet, hoffe ich darauf, dass 2020 ein ganz besonders  Jahr wird.
In diesem Sinne, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern das Allerbeste für 2020.

Hier noch die Eindrücke in einem kurzen Video zusammengefasst:

 

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

7 Kommentare zu „Fotostrecke: Mit dem Hundeschlitten ins neue Jahr“

      1. Ich habe es mir gerade mal auf der Karte angeschaut, danke für die Info. Ich habe deswegen gefragt, weil ich zweimal, allerdings im Sommer, etwas nördlich von Kiruna Zeit verbracht habe.

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