Das Künstlerhaus

Es ist ein bescheidener Luxus aus Vintage und Kunst im farblichen Einklang mit der Natur.

Die Rede ist vom Haus des Künstlers, das, harmonisch abgestimmt zu seiner kargen Umgebung, wie ein Schwalbennest am Hang ruht. Dem Bauwerk zu Füßen liegen Fragmente und Säulenreste einer antiken Ruinenstätte. Die Hausfassade ist dem Westen zugewandt, wo gerade die Sonne untergeht. Eine farbliche Symphonie aus Rot und Orange umspielt die von Ziegen und Schafen kahlgefressenen Hügel, ein paar Vögel zwitschern fröhlich und ziehen ihre letzten Runden. Es ist ein besonderer Ort – nicht nur seines Sonnenunterganges wegen.

Das mit Lehm verkleidete Haus wirkt aus der Ferne nahezu unauffällig. Erst die rundum gepflanzten Sträucher und Bäume, die sich um Wachstum bemühen, machen auf das, in der nüchternen Landschaft getarnte Bauwerk aufmerksam, und fangen auch hastige Blicke ein. Eine Bougainvillea blüht reizvoll dazwischen. 

Die Eingangstür ist bescheiden, der Empfangsbereich winzig und über ein paar, in den Stein geschlagene Stufen, gelangt man in den Salon, der mit seinen ausgestreckten Armen den Gast mit Willkommensgesten überrascht. 

Ein lichtgefluteter Raum präsentiert sich eindrucksvoll, seine überschaubare Größe wirkt einladend und der Kamin versprüht Wärme, selbst ohne Feuer. Im Sitzbereich erstrecken sich die Wände über zwei Stockwerke und zeigen Bilder des Künstlers, darunter sind Kohlezeichnungen, abstrakte Ölgemälde und ein wenig Aquarell. Eine schwarz-weiß Fotografie erinnert an vergangene Jahre, als Ammar Khammash, ein renommierter jordanischer Architekt und Maler, sein Haus noch als Atelier nutzte. Viele seiner Werke sind hier entstanden. Heute kann man sein ehemaliges Atelier als Unterkunft mieten. Ich nutze es gelegentlich als Homeoffice, für einen gemütlichen Abend mit Freunden oder für ein paar Tage Auszeit. 

Die Einrichtung ist schlicht und geschmackvoll, Kunsthandwerke gibt es hier und da zu entdecken, und originelle Einzelstücke entzücken und erfreuen den Betrachter. Aus Schmiedeeisen geformte Stühle und Tische ordnen sich ein, und so manches Antiquariat, dessen Zweck rätselhaft ist, verleiht dem Haus einen Hauch Museumscharakter. In einem kleinen Körbchen liegt Wolle zum Stricken bereit – für kältere Abende, in einem Regal gibt es eine Auswahl an Büchern in unterschiedlichen Sprachen – ich ziehe eines mit dem Titel „Arabische Weisheiten“ hervor.

An den Salon grenzt eine kleine, mit einer Kuppel überdachten Terrasse. Der Ausblick ist von zwei Säulen begrenzt, und rückt den Sonnenuntergang in ein märchenhaftes Licht. Stoffbahnen wehen verspielt im Wind und eine Bougainvillea blinzelt neugierig hinter der Säule hervor. Auf den gepolsterten Bänken ist gut sitzen. Der Ruf des Muezzin ist aus dem Tal zu hören und unterstreicht das orientalische Ambiente. Es ist eine angenehme, friedliche Stimmung.

Auf der großen Steintischplatte werden Hummus, Salate und ein arabisches Gericht aus Huhn und Reis serviert. Mit einem Glas Wein stoßen wir auf den schönen Augenblick an. 

Über drei Etagen reihen sich Räume und Nischen verwinkelt und raffiniert aneinander. Eine schmale, steile Steintreppe führt ins oberste Stockwerk, wo sich ein Himmelbett, zwei barocke Armsessel und eine alte Kommode stimmig fügen. Zahlreiche Kerzen stecken in von Wachs verkrusteten Haltern und erlauben, dem romantischen Ambiente noch etwas hinzuzufügen. Vom Schlafzimmer führt eine Flügeltür auf eine weitere Terrasse mit herrlichem Blick über das Jordantal.  

Die Spuren des Künstlers sind allgegenwärtig und Pinsel, Farben, Zeichenblock, und bei Bedarf eine Malerjacke, liegen für den Gast bereit.  

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

2 Kommentare zu „Das Künstlerhaus“

  1. Ein wunderbarer Einblick, fasziniert habe ich deine Beschreibung, die ich sehr gerne gelesen habe und bewundere,
    Ein Sehnsucht-Ort , den ich besucht hatte vor vielen Jahren, verwirklicht habe ich mein Künstlerhaus im Senegal-
    eine andere Lebensart – Da ich nicht mehr reise, träume ich von einigen wirklich besuchten oder gelebten Sehnsucht-Orten. Schreibe darüber – Bücher jetzt ohne Veröffentlichung – Von Dir würde ich sofort auch ein Buch bestellen und bestimmt lesen. In etwas abgeschiedener Umgebung lässt sich die Kreativität ausleben und die Gedanken fliegen einem förmlich zu. lg

    Gefällt 1 Person

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