Grüße aus der Wüste

Erbil. Wenn es aus dem Süden stürmt, dann staubt’s. Um genau zu sein, eine halbe Kaffeetasse auf meinem Balkon.  

Noch etwas verschlafen wackle ich heute morgen in Richtung Balkon, schiebe den Glasflügel zur Seite und staune. Es gehört zu meinem morgentlichen Ritual, mich nach dem Aufstehen an der Morgensonne zu erfreuen, die seit Monaten verlässlich am Horizont aufgeht. Heute ist es anders. Keine Sonne, keine Sicht, nur ein bisschen Trübes ist gegenüber zu erkennen. Was ist los, frage ich mich? Eine Inversionswetterlage schließe ich aus, Smogalarm ebenso. Ein Blick auf den Boden erklärt das Ungewöhnliche. Ich stehe vor dem, was vom Sandsturm übrig blieb, der in der Nacht durchzog und die Stadt verzauberte.

Bei getrübter Sicht fahren wir ins Büro und ich staune erneut. Erstmals nehme ich bewußt zur Kenntnis, dass bereits vor mir jemand den Flur betrat. Ein tagtägliches Ereignis, dem ich jedoch bisher keinerlei Beachtung schenkte. Der Schuhabdruck auf dem üppigen Sandteppich im Korridor läßt vermuten, wer es ist. Der Anblick des Geschehens erinnert mich ein wenig an einen unverspurten Tiefschneehang in den Alpen, mit dem wesentlichen Unterschied, dass dieser nahezu unverspurte Korridor, keinerlei Glücksgefühl in mir auslöst.

Wohl durchdacht, folge ich der Spur, die glücklicherweise an meinem Büro vorbeiführt, und setze meinen Fuß in den bereits vorhandenen Schuhabdruck, um möglichst unverstaubt dort anzukommen. Ich trete in meine Arbeitswelt, schließe erstmals die Tür hinter mir und bin erleichtert, auch gestern daran gedacht zu haben, das Fenster zuzumachen. Somit ist der Staub, der durch die Tür- und Fensterritzen eintrat und sich über das Mobiliar ausbreitete nicht dramatisch.

Mit fortschreitender Stunde und zunehmender Bewegung sehe ich, wie sich die Farbe meiner Kleidung immer mehr der meiner Umgebung anpasst. Doch viel unangenehmer ist, dass ich ständig den Sandstrahl einer Mundhygiene fühle, folgedessen wiederholt Mundspülungen durchführe, die jedoch keine nachhaltig reinigende Wirkung zeigen.

Morgen soll der Spuk vorbei sein, und die Sonne scheinen. Inshallah!

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

2 Kommentare zu „Grüße aus der Wüste“

  1. Liebe Gini,

    Muss ja wirklich ein außergewöhnlicher Sturm gewesen sein!!!

    Wie ist jetzt die Lage bei euch?

    Ganz liebe Grüße aus Lima. Morgen gehen wir für eine Woche in den Dschungel 😊.

    Ossi

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