Die befreite Stadt

Gerade mal einen Monat ist es her, dass Mossul vom Islamischen Staat zurückerobert wurde. Einzelne Stadtteile liegen in Trümmern. Gänzlich befriedet ist die Stadt noch nicht. Und trotzdem, das Leben kehrt zurück.  

Zwischen Erbil und Mosul liegen 80 Kilometer Straße und derzeit acht Checkpoints. Fahrten müssen genehmigt sein. Die beiden ersten Checkpoints sind von den Kurden kontrolliert, die weiteren von der irakischen Armee und schiitischen Milizen. So ist es heute – Tendenz variabel. Den Übergang vom kurdisch ins irakisch kontrollierte Gebiet markieren die irakische Fahne sowie der Autofriedhof am Straßenrand. Geflüchtete mussten seinerzeit ihre Autos hier zurücklassen, um ins kurdische Gebiet einreisen zu dürfen. Am Checkpoint stehen Fahrzeuge Schlange – Personentransporte und Lastkraftwagen, vorwiegend beladen mit Baumaterialien und Nahrungsmitteln. Sie alle sind auf dem Weg nach Mosul.

Nach weiteren zehn Kilometern erreichen wir die ehemalige Frontlinie des IS, und sind somit der Rückeroberung Mosuls auf der Spur. Noch fünf Checkpoints bis zur Stadt. Kein Stadtschild weist darauf hin, und trotzdem ist klar: Das ist Mosul.

Mosul, zweitgrößte Stadt des Irak, zählte einst 2,5 Millionen Einwohner. Der Fluß Tigris teilt die Stadt in Ost und West. Die Befreiung Mosuls begann im Oktober 2016 im Osten der Stadt, und setzte sich Richtung Westen fort, wo sie nach neun Monaten intensiver Kämpfe endete.

Der Osten

Bei der Einfahrt nach Mosul sind Spuren der Kampfhandlungen deutlich sichtbar. Kaum ein Haus ist frei von Einschusslöchern. Auch Straßensperren sind gelegentlich noch vorhanden. Doch das Leben ist hier wieder zurückgekehrt. Taxis und andere Fahrzeuge kreuzen unsere Wege, Menschen arbeiten bereits an der Instandsetzung ihrer Häuser, kleine Imbissstuben und Verkaufsläden haben wieder geöffnet – oftmals im Erdgeschoß errichtet, während die oberen Stockwerke zerstört sind. Am Straßenrand werden Obst, Gemüse, Trinkwasser, Gasflaschen, Kleidung und Schuhe verkauft – ebenso Benzin.

Wir fahren weiter in Richtung Norden, vorbei an der Universität, einst zweitgrößte im Land und von Bedeutung – bis der IS einzog und sie als Basis nutzte. Das Gebäude ist vom Militär gesichert. An den Begrenzungsmauern hängen Transparente mit Informationen, wo derzeit Computer und Sprachkurse besucht werden können, nachdem die Universität in Trümmern liegt.

Der Westen

Den Westen erreichen wir über eine stark frequentierte militärische Schwimmbrücke, nachdem alle fünf Brücken, die einst die beiden Stadtteile verbanden, gesprengt wurden. Die Intensität der Kampfhandlungen in den letzten Monaten manifestiert sich hier. Massive Zerstörungen soweit das Auge reicht. Zerbombte Häuser, fehlende Fassaden, Bombenkrater in den Straßen und ausgebrannte Wrackteile dominieren das Stadtbild. In den alten Stadtteil können wird nicht – er ist noch nicht befriedet. Militär und Kontrollposten sind an strategischen Punkten und zwischen Bauruinen stationiert. Die Basisinfrastruktur fehlt. Das General Hospital im Südwesten des Stadtteils war das einzige Krankenhaus, das in den letzten Monaten noch Notfälle aufnehmen konnte, obwohl auch hier ein Gebäudeteil völlig zerstört und ein anderer vom IS in Brand gesteckt wurden.
Auch in den Westen kehren Menschen zurück. Die meisten jedoch, um zu sehen, was von ihrem Besitz noch übrig ist. Einige haben bereits auch hier im Erdgeschoß kleine Shops, Teeküchen und Imbissstuben eingerichtet. Jedoch die meisten Erdgeschosse existieren hier nicht mehr.

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

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