Fotostrecke: Die Schönheit der Natur

Eine Landschaft, den Farben weitgehend abgewandt und doch von beeindruckender Schönheit, in dem Baumskelette einsam dem rauen Klima trotzen, und Gräser unter der sengenden Sonne längst vertrocknet sind. Kaum zu glauben, dass tief in der Schlucht sich Palmen zwischen den Felsen entfalten.

Zwei Tage wandern wir durch Jordaniens größtes Naturreservat Dana, genauer gesagt, von Shobak ins Wadi Ghuweir. Aus Amman kommend, ist jeder Schritt in der Natur befreiend – weg vom Stadtlärm, dem Verkehr und dem Staub. Somit genieße ich die frische Luft, das Singen der Vögel, die herrliche Landschaft und freue mich auf den Blick in die Weite, der uns erwartet. Die Hitze der letzten Tage wird erträglicher. Drei Liter Zitronenwasser trage ich im Rucksack und sollten bis zum Abend reichen.

Abu Eid, ein Beduine aus der Region, wird uns den Weg durch sein Hinterland zeigen. Ein hagerer Mann in langärmeligem Hemd mit Bügelfalten, einer schwarzen Jeans, die am Bund seiner schmalen Hüfte angepasst wurde, einer Kufiya (ein von Männern getragenes Kopftuch) und Mokassins. An seiner rechten Schulter hängt ein kleiner Rucksack mit einer Teekanne und den dafür benötigten Zutaten. Wir folgen Abu Eid entlang von Ziegen- und Schafwegen den Hügel hinauf, laufen zwischen und über Kalk-, Sandstein und Granit, Mineralien sorgen für beige, rötliche und gelbliche Nuancen im Gestein.

Abu Eid kennt den Weg wie seine Westentasche. Mit scharfem Blick beobachtet er, was Besucher nicht sehen und lest Spuren. Eine Hyäne war hier. Der Beduine identifiziert sie anhand der Pfotenabdrücke im Sand und an ihrem weißlich gefärbten Kot, den sie auf den Büschen absetzen, um ihr Terrain zu markieren. Gefährlich sind sie für den Menschen nicht, da sie in Jordanien einzeln und nicht im Rudel jagen.

Auf dem Fels posiert eine Echse. Mit ihrem blauen Kopf und dem rot getupften Kleid macht sie auf sich aufmerksam. Wir bestaunen und fangen mit unseren Kameras diese Naturschönheit ein. 

Am Bergrücken erwartet uns ein beeindruckendes Panorama mit zerklüfteten Felsen und kargen Hängen. Aufgestautes Geröll und tiefe Kerben erinnern an die Sturzbäche der Regenzeit. In der Ferne ist das Wadi Arab zu erkennen und am Horizont flimmert in der Hitze Israel. Der thermische Wind hat deutlich zugelegt und bläst den Hang herauf. Es ist diese grenzenlose Weite, von der nur wenig ablenkt, die ich hier so schätze.
Im Schatten der Felsen und unter einem Baum machen wir Rast. Das Zirpen der Grillen mischt sich in unsere Unterhaltung. Abu Eid sammelt ein paar Äste und kocht Tee mit reichlich Zucker.

Wir wandern entlang des Bergkamms und genießen die eindrucksvolle Aussicht auf diese bizarre Landschaft. Blattlose Bäume, gezeichnet von Wind und Wetter mit geschundenen Rinden und der Natur trotzend, präsentieren sich einsam als unsterbliche Skulpturen. Dornenbüsche haben ihre farbigen Blüten abgestreift, und tarnen sich in ihrer sandfarbenen Umgebung. Eine karge Landschaft, die durch ihre unbezwingbare Robustheit an Schönheit gewinnt.

Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir unseren Schlafplatz, mit herrlichem Blick auf die Berge und dem Wadi Ghuweir, das wir morgen durchwandern werden. Die untergehende Sonne tränkt die umliegenden Felsen goldgelb, der thermische Wind wird langsam schwächer, Hundegebell von einem fernen Beduinenzelt durchdringt die Stille, der Wind verbreitet den Duft aus dem Kochtopf, in dem unser Abendessen zubereitet wird und macht hungrig. Wir liegen entspannt auf unseren Matratzen, genießen den Augenblick, ein Fläschchen Anisschnaps, den Freunde mitgebracht hatten, macht die Runde. Dankbarkeit und Zufriedenheit stellen sich ein.
Unsere Köchin serviert Linsensuppe und reichlich Maqluba, ein Jordanisches Gericht aus Reis, Kartoffeln, Huhn und Gewürzen. Es schmeckt hervorragend. Am Lagerfeuer singen unsere Begleiter Beduinenlieder. Der Vollmond leuchtet hell über dem Berg.

Am nächsten Morgen steigen wir ins Tal ab und wandern entlang des Wadi Ghuweir. Ein schmaler Flusslauf führt uns zum Eingang der Schlucht. Das Wadi teilt sich in drei Abschnitte mit unterschiedlichem Charakter, entsprechend sind diese auch benannt. Im ersten Teil schlängelt sich ein schmaler Weg entlang der felsigen Schlucht, das Wasser verläuft unterirdisch. Die Maserungen in den Wänden sind beeindruckend und erscheinen dem Betrachter als Kunstwerk der Natur, während sie dem Geologen Wissen zeitlichen Ursprungs vermitteln.

Im nächsten Abschnitt überraschen uns Palmen, die sich durch Felsspalten drängen und der Sonne entgegen wachsen, und Farngewächse in saftigem Grün, die von den Felsen hängen. Es ist dieses bisschen Dschungel in der Tiefe karger Landschaft, das dieses Wadi so einzigartig macht.


Abu Eid steht vor einer mit Moos bewachsenen Felsritze, sammelt die Tropfen in seiner Handfläche und trink davon. „Frisches Wasser“, sagt er mit strahlenden Augen und breitem Lächeln. Der Beduine weiss diese Ressource, in dem so wasserarmen Jordanien sichtlich zu schätzen.

Wir wandern entlang des Flussbettes im teils knöcheltiefen Wasser, klettern über kleine und große Felsen. Dort wo sich Wasserbecken gebildet haben und Erfrischung frohlockt, tauchen wir ein und unter.

Dem Ende zu verläuft die Schlucht in einem breiten Tal. Wir begegnen den ersten Beduinen, den Ziegen und Schafen.

Diese Vielfalt der zahlreichen Wadis beeindruckt mich immer wieder aufs Neue. Wadi Ghuweir gehört ebenfalls zu den Eindrucksvollsten.

Autor: reginatauschek

Weltbürgerin.

9 Kommentare zu „Fotostrecke: Die Schönheit der Natur“

      1. Bei diese Wanderung mit Kopfbedeckung, Sonnenbrille, Sunblocker 50 LSF und 3 Liter Zitronenwasser.
        Bei 40 Grad flüchte ich in den Schatten, z.B in ein Wadi mit Wasser.
        In Amman sind 40 Grad die Ausnahme, wie z.B. letzte Woche während der Hitzewelle.

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      2. Ich mag ganz gern die „Buff“ (Kopfschal) aus Baumwolle. Gibt es in allen Farben. Bei Hitze tauche ich sie unterwegs ins Wasser und setzt sie auf, das kühlt sehr angenehm; werden vom Wind nicht weggeblasen; wenn es abends kühler wird, nehme ich sie als Schal; kann man super in der Maschine waschen. Ich finde sie sehr praktisch.

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